Der 11. September kein Thema für Romane? Unsinn: Die beweisen das Gegenteil. Der junge Schreyer kümmert sich um die Fakten, der alte Profi erledigt inzwischen die Felder Emotion, Perspektive und gelassene Sprache. Herausgekommen ist ein Thriller, der mit jeder Großverlag-Produktion locker mithalten kann und die meisten übertrifft.
Stephan Draf, Stern
Nur aus Pflichtgefühl das Thema 11. September fällt in meinen Zuständigkeitsbereich zwang ich mich dazu, das Buch in die Hand zu nehmen und las es in einem Rutsch durch. Idiot, verdammter Idiot, sagte ich zu mir, beschissener Wessi, der ich bin. Warum kannte ich Wolfgang Schreyer nicht? Er ist ein bekannter DDR-Schriftsteller, hat den Heinrich-Mann-Preis bekommen und zahlreiche zeitgeschichtliche Romane verfaßt mit sechs Millionen Exemplaren Gesamtauflage.
Der alte Routinier hat offensichtlich geschrieben und sein Sohn Paul, mit allen virtuellen Wassern gewaschen, die notwendigen Details zusammengegoogelt, die dem Plot Glaubwürdigkeit verleihen.
Entstanden ist ein Thriller, der in anderen Zeiten und unter anderen Umständen ein Bestseller wäre. (...)
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Im Unterschied zu den bekannten 9/11-Sachbüchern, etwa von Matthias Bröckers oder Andreas von Bülow, erfordert die Lektüre keinerlei Voraussetzungen. Man muß nicht von vornherein US-kritisch oder konspirologisch eingestellt sein, und man braucht auch kein Diplom in Forensik und Hochhausstatik, um dem roten Faden folgen zu können. Und trotz dieser, maoistisch gesprochen, Massenfreundlichkeit bietet das Buch eine Fülle von Fakten, die auch ausgefuchsten Spezialisten noch Erkenntnisgewinn bringen. Sozialistischer Realismus at its best. (...)
Ebenso wie Ellroy die Kabale ausleuchtet, die bei der Ermordung John F. Kennedys eine Rolle spielten, so verknüpfen Schreyer und Schreyer die losen Enden von 9/11. In beiden Fällen stoßen nicht linke Systemgegner, sondern aufrechte Patrioten auf Widersprüche in der offiziellen Version und geraten in Lebensgefahr. (...)
Dem Dreihundertseitenroman ist ein 80seitiger Dokumentenanhang beigegeben. Dort kann man die Beweise und Indizien studieren, die in den Plot eingeflossen sind. Ein Verfahren, das verhindert, daß die Belletristik zu faktenlastig und damit schwer verdaulich gerät und gleichzeitig dem Leser die süße Illusion raubt, in der Realität sei alles nicht so schlimm.
Jürgen Elsässer, Junge Welt
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